christiane hamacher
significans.skin marker I

significans1.pdf

  • skin marker - Mischungsverhältnisse und Rassismen
    ein mobiles Farblabor der AG significans, Berlin
  • Stationen:
    INTERNATIONALE MOBILE AKADEMIE, Volksbühne Berlin 18.10. 2002
    Belluard Bollwerk International 2003, Fribourg-CH, 5.-26.07. 2003
    go create resistance, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 17.04.04
  • Die Künstlerinnen- und Aktivistinnengruppe significans startete im Oktober 2002 anlässlich der INTERNATIONALEN MOBILEN AKADEMIE in der Berliner Volksbühne die Aktion skin marker.
    Theatergäste wurden gebeten, in einer Laborkammer den exakten Farbton eines markierten Hautausschnitts am Unterarm anzumischen. Den Probanden stand eine Palette Acrylfarben und die Unterstützung einer Farbberaterin zur Verfügung. Der ausgetüftelte Farbton wurde sodann auf eine Probandentafel aufgemalt und die Farbmischungswerte digital analysiert. Das Berliner Theaterpublikum war eingeladen, über Kopfhörer den Gesprächen während des Anmischens im Farblabor zu folgen.
  • Können Sie Ihre Hautfarbe genau beschreiben? Gelingt es Ihnen, sie aus verschiedenen Grundtönen anzumischen? Sind Sie mit Ihrer Hautfarbe zufrieden? Welche Erlebnisse hatten Sie mit Ihrer Haufarbe? Unternehmen Sie etwas, um Ihren Hautton zu verändern, lassen Sie sich z.B. von der Sonne bräunen, falls Sie sich zu blass fühlen – Wie dunkel möchten sie dabei werden? Wann wär’s zuviel und warum? Denken Sie, dass Ihre Hautfarbe Ihre Chancen bei einem Bewerbungsgesprächen beeinflussen könnte? Haben Sie Freunde oder Bekannte, die eine andere Hautfarbe haben?…..Falls nein, warum nicht?

    Anschließend wanderte skin marker nach Fribourg/CH zum Belluard Bollwerk International Festival BBI 2003 und 2004 zum Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, zum Themenabend Migration und Arbeit: go create resistance. Auf einer zufälligen Route quer durch Europa sollen weiterhin Hautfarbentafeln gesammelt werden, damit die Diskussion eine Kontinuität erhält:
    Die Gespräche, die sich während des Anmischens entwickeln, geben Auskunft über Erfahrungen mit der eigenen Hautfarbe, über Wünsche, über Einschätzungen und Vergleiche mit dem Andersfarbigen. Nuancen unserer Selbst- und Fremdidentifizierung werden deutlich: Wertungen, die Freundschaften anzetteln und andere, die diskriminierend und rassistisch verletzen können. Gleichzeitig wächst eine brüchige Skala, ein zufälliger Querschnitt der verschiedenen Hautfarben, die uns in den Städten begegnen. Die Farbtafeln wurden erstmals 2003 im Fribourger Mottabad ausgestellt.

  • Die Malerei ist eine Zusammenfassung, ein stummes, visualisiertes Protokoll der Gespräche, die beim Anmischen stattfinden. Hautgeschichten also, die sich immer wieder aus dem kleinen, individuellen und intimen Rahmen wegschleichen und sich an Weltgeschichte andocken:
    die Hautfarben des Welthandels, der Bruttosozialprodukte, der Moden, die Hautfarben eines kontinuierlichen Kolonialismus, des Landraubes, die Hautfarben des Beats, der Nobelpreisträger/innen, die Hautfarben der Behörden, der Schulhöfe, die Hautfarben nach der Wirtschaftskrise, Mischungsverhältnisse und Rassismen, darüber möchte significans weiter spekulieren.
  • significans existiert seit 1999.
    Künstler/innen, Kulturwissenschaftler/innen und Journalist/innen recherchieren über den Einsatz elektronischer Überwachungstechniken und biologistischer Identifizierungstechniken im Anwendungsbereich der Ausländerbehörden.
  • Christiane Hamacher, Biel/Bern-CH; Carolina Kecskemethy, Lima und Berlin; Barbara Meyer, Luzern und Berlin; Hanna Sjöberg, Stockholm und Berlin