christiane hamacher
significans.valuta I

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  • unerkannte Fremd-Währungen im Eurokosmos
  • Bargeldlose Zahlungssysteme für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen in den Mitgliedsländern der EU, antidemokratische Stolpersteine in den neuen Richtlinien des europäischen Asylgesetztes und was man dagegen unternehmen kann.

    Archiv-Installation, Videothek und urgent-action im Ausstellungsraum Fondatione Pistoletto, Biella-Italien

    Der aktuelle Archiv-Link significans.valuta stellt Zahlungssysteme für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen innerhalb der EU vor, die ersatzweise für Bargeld mit Chipkarten, Wertgutscheinen und Versorgungspaketen operieren. Im Auftragsrahmen der nationalen Asylgesetze reibt sich hier der Begriff des Services und der Dienstleistung mit Entmündigung und Diskriminierung von Flüchtlingen und Asylbewerber/innen.
    Die verschiedenen Formen von Bargeld-Ersatz bilden eine unerkannte Fremdwährung, eine latent-rassistische Parallelwährung zum Euro, der mit dem Attribut besonderer „Integrationskraft“ in Europa propagiert wird.

  • Im Zentrum des significans-Archivs stehen deshalb in Biella die neuen Richtlinien des europäischen Parlaments zum einem gemeinsamen europäischen Asylgesetz.
    Bis zum Dezember 2002 sollen diese Richtlinien in allen Mitgliedsländern der EU die Grundlage für Asylentscheidungen werden. Nach einer Pilotphase bis zum Jahr 2004 werden die Richtlinien nochmals korrigiert und dann als gesamteuropäisches Gesetz verabschiedet.
    Kaum jemand kennt diese wichtige Gesetzeskonstruktion. Sie enthält neben harmonisierenden Regelungen viele inhumane, diskriminierende und antidemokratische Elemente, die öffentlich diskutiert und kritisiert werden müßen.
  • significans.valuta fokussiert die Wirkung der Regelung, dass Bargeld durch Wertgutscheine und Chipkartengeld ersetzt werden kann: in vielen Bundesländern Deutschlands wird dies bereits praktiziert.
    Die Firma Sodexho (USA) ist über die Tochtergesellschaft „Infracard“ Großanbieterin dieser Zahlungssysteme. Gemeinsam mit der Flüchtlingsinitiative Berlin-Brandenburg haben wir eine urgent-action entworfen, die helfen soll, in den verantwortlichen Behörden die Diskussion über die diskriminierenden Zahlungssysteme anzukurbeln und sie durch Bargeldzahlungen zu ersetzen zu lassen. Im Archiv sind neben den neuen europäischen Richtlinen eine Materialiensammlung zu den verschiedenen Zahlungsersatz-Systemen, Erlebnisberichte von Flüchtlingen, nationale Gesetzesauszüge, Behördenanordnungen, Werbematerialien der Chipkarten- und Gutscheinanbieter.
    Die Dokumente geben Auskunft über die verschiedenen Positionen der beteiligten Vertragspartner: wer ist Auftraggeber, wer ist Kunde, wer ist Anbieter, wer ist „Versorger“, wer besitzt was, wer entscheidet über das Warenangebot, wie verhalten sich Angebot und Nachfrage, Bedarf und Bedürftigkeit, wie wird Abhängigkeit produziert und welche Intention steht dahinter, Abhängigkeit über einen eingeschränkten Zugang zum Markt für bestimmte soziale Schichten zu etablieren?.
    So untersucht significans.valuta die Bargeld-losen Zahlmittel auf dem Hintergrund ihrer multifunktionalen Anwendungsmöglichkeiten als behördliche Kontrollsysteme und stellt die Frage nach dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung und Selbstversorgung innerhalb demokratischer, rechts-staatlicher Strukturen.
  • Da Italien ab Dezember des Jahres die selben Gesetzesgrundlagen hat für die Mindestversorgung von Flüchtlingen, ist es unbedingt nötig, europaweit auf die schikanöse Wirkung der vorgesehenen „Währung“ mit Gutscheinen und Chipkarten hinzuweisen und öffentlich dagegen anzuseuern.
  • significans.valuta organisiert eine Postkarten-urgent-action:
    von verschiedenen europäischen Kulturplätzen aus werden Protest-Postkarten zu den Berliner-Brandenburgischen Ausländerbehörden gesandt, um die aktuelle Entscheidungsphase gegen Chipkarten zu beeinflussen und die bereits existierenden Chipkarten aus dem Gebrauch zu nehmen.
    Es besteht eine reelle Möglichkeit, dass die Stimmen aus dem europäischen Ausland hier die alte inhumane Praxis stürzen könnte. Die Handhabung in Berlin mit der Versorgung von Flüchtlingen ist exemplarisch, deshalb setzen wir die urgent-action hier an und beziehen die deutsche Verwaltung und das Innenministeriums mit ein. Gleichzeitige Adressaten der Postkartenaktion sind weitere europäische Innenministerien.
  • Die urgent-action startet an verschiedenen Orten:
    -Fondatione Michelangelo Pistoletto, Biella, I
    -Centre D’Art CONTEMPORAIN FRI_ART, Fribourg, CH
    -Univerität Visual Arts, Bristol, GB
    -Universität der angewandten Künste, Wien (angefragt)
    (weitere werden angefragt)
  • Die Künstlerinnen:
    Christiane Hamacher, Bern/Biel-CH-
    Barbara Meyer Marenbach, Luzern und Berlin
    Hanna Sjöberg, Stockholm und Berlin
    Carolina Kecskemethy, Lima und Berlin